Atlantis und die Sintflut

Tantalis – die kleine Schwester von Atlantis

 

 

Vor einiger Zeit stießen wir bei Atlantisforschung.de auf den Artikel „Tantalis – das Atlantis des Peter James“. Peter James, ein englischer Archäologe, vermutet in seinem Buch, dass die Sage um Tantalos und seine versunkene Stadt Solon und Plato bei der Verfassung der Atlantisüberlieferung inspiriert haben könnte.

 

In der Tat sind die Übereinstimmungen zwischen den gottgleichen Königen Atlas (König von Atlantis) und Tantalos (König von Tantalis) frappierend. Zunächst einmal ist Tantalos aber ein Schwiegersohn von Atlas, da er mit seiner Tochter Dione, einer der Plejaden, verheiratet ist. Agamemnon und Menelaos, die Kämpfer um Troja, führen ihre Herkunft unter anderem auf Tantalos zurück.

 

Peter James führt ausführlich eine Reihe von Übereinstimmungen auf. Beiden Städten ist aber gemein, dass sie in Folge einer Flut und eines Erdbebens unter Wasser versanken. Peter James vermutet die Lage von Tantalis in Kleinasien und hier vor allem in Lydien. Teilweise wird als Lage auch Phrygien angenommen.

 

Leider ist die Sage von Tantalos im Gegensatz zu der schriftlichen detaillierten Überlieferung des Atlantisberichtes nur sehr rudimentär erhalten. Über den Atantisbericht hinaus weiß die Sage um Tantalos aber zu berichten, dass ein Berg in einen See gestürzt sei, dessen Fluten dann das Königreich dauerhaft überschwemmten. Dieser Bericht vermag physikalisch zunächst nicht überzeugen, denn der Wasserstand eines Sees wird in aller Regel durch seinen Ausfluss bestimmt. Wäre ein Berg in einen Bergsee gestürzt, wären wenigstens die Trümmer der Stadt nach einiger Zeit wieder aufgetaucht.

 

Auch ist es erfahrungsgemäß so – selbst wenn das viele Atlantissucher nicht wahr haben wollen – dass eine Flut in aller Regel nur ein kurzes einschneidendes Ereignis ist, dass die Besiedlung aber nicht dauerhaft unterbricht. Es ist unvorstellbar, dass ein einstürzender Berg ein Reich wie Lydien oder Phrygien zerstört haben könnte. Dazu ist wohl eine länger anhaltende Flut größeren Ausmaßes erforderlich.

 

Wenn man aber bedenkt, dass das Schwarze Meer bis etwa 5500 vor Christus ein Süßwassersee war, welcher dann schlagartig überflutet wurde, ergibt die Beschreibung des Untergangs einen Sinn: Im Zuge eines Erdbebens stürzte der Bosporus-Damm ein und die Fluten ergossen sich in die Senke. Die Stadt ging dauerhaft unter.

 

Aus unserer Sicht steht fest, dass die Tantalos-Sage eine schwache Erinnerung an das gleiche Ereignis darstellt, welches der Atlantisbericht ausführlich beschreibt. Nur bricht der Atlantisbericht vor der Flut ab, während die Tantalos-Sage sich stark darauf fixiert.

 

Wir meinen aber nicht, dass Tantalos und Atlas identisch sind. Nach unserer hier publizierten Meinung war Kleinasien teilweise von Atlantis besetzt, welches nördlich des Schwarzen Meeres ansässig war. So wird Tantalos als Schwiegersohn des Atlas beschrieben. Obwohl er selbst kein Gott war, hatte er der Überlieferung nach freien Zugang zum Olymp und war gern gesehener Gast und Tischgenosse der Götter. Dies deutet unseres Erachtens darauf  hin, dass Tantalos eher Statthalter für Atlantis denn selbst ein Vorbild für Atlantis gewesen ist. Demnach ist es wohl auch wahrscheinlich, dass Tantalis in Phrygien lag oder die Sage im Laufe der Jahrtausende an andere Orte projiziert wurde.

 

 

Ein wichtiger Punkt, welcher von Peter James an vielen Stellen herausgearbeitet wird, ist die starke Bindung von Atlas an den Raum des Schwarzen Meeres. Viele Atlantisforscher suchen ihn ja heute als Himmelsträger im Atlantik. Wirken und Schaffen dieses Gottes lagen aber im Schwarzmeerraum. Somit ist ausgeschlossen, dass sich die Atlantisüberlieferung weitab von Griechen und Ägyptern und den übrigen Sintflutsagen rund um das Schwarze Meer abgespielt haben kann.

 

Prof. Dr. Siegfried G. Schoppe            Christian Schoppe, MBA

Hamburg/Frankfurt, den 28. März 2005

 

 

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