Atlantis Sintflut im Schwarzen Meer

Schwarzes Meer: Wann kam die Flut?

Im Jahr 2004 veröffentlichten Siddall, Pratt und Helfrich ihre Untersuchung bezüglich der Folgen eines katastrophalen Flutszenarios (Siddall 2004). Das Papier kommt zu eindeutigen Ergebnissen, was die Natur der Flut angeht: Die Geologie der Bosporusmündung auf der Schwarzmeerseite lässt sich mit einer katastrophalen Flut sehr gut erklären. Die von den Gegnern eines katastrophalen Flutszenarios angeführten Argumente stammen hingegen sämtlich aus dem Marmara Meer. Siddall et al. kommen zu dem Ergebnis, dass diese Aspekte von einer katastrophalen Flut unbeeindruckt sind. So habe der Ansaugeffekt auf der Seite des Marmarameeres nicht die Wucht, um beispielsweise das angeführte Flussdelta auf der Seite des Marmarameeres zu zerstören. Gerade das Fehlen eines Teils des Deltas könnte hingegen durch einen leichten Ansaugeffekt erklärt werden.

Zum Glück kommen diese Erkenntnisse zunehmend in die Medienberichterstattung. Eine zentral gesteuerte konzertierte Aktion einiger Wissenschaftler hatte zuvor - in den Jahren 2002 und 2003 - die Theorie einer katastrophalen Flut in Misskredit gebracht. Hintergrund dieser Aktion war die Kollision der wissenschaftlichen Erkenntnisse mit religiösen Gruppierungen, die eine weltumspannende Sintflut als Realität ansehen (im Gegensatz zum Beispiel zu den großen deutschen Kirchen, nach deren heute gültiger Lehrmeinung die Sintflut nur eine zur Belehrung gedachte Allegorie ist). Daneben hatte die Sintflut zentrale Lehrsätze der Archäologie ins Wanken gebracht, so dass deren Zunft die Breitseite dankend zur Kenntnis nahm: 6400 begann die sesshafte Besiedlung des nördlichen Scharzmeerraumes - das hätte Archäologen in Erklärungsnot gebracht.

Katastrophale Flut

Siddall et al. stellen auf Basis der Untersuchungen des Bodenprofils mit Sidescan Sonar und Bodenproben durch Nachberechnung der Hydraulik eine Art „Dreistufen-Modell“ vor.

Dauer der Flut

Siddall et al. kommen zu dem Ergebnis, dass die Flutung des Schwarzmeerbeckens insgesamt etwa dreißig Jahre benötigte. Allerdings wurde eine Änderung der Sedimentstrukturen bei dem Rechenmodell ausgeschlossen. Der Wert steht also unter der Annahme, dass der schnelle Durchfluss des Weltmeeres durch die Meerenge keinen Einfluss auf deren Boden hatte. Mithin gehen die Autoren davon aus, dass die heutige minimale Tiefe des Durchflusses von etwa 35 Metern unverändert gültig war. Diese Annahme darf man als „mutig“ bezeichnen, zumal hinlänglich bekannt ist, dass die Meerenge ein tertiäres Stromtal ist, dessen Felsboden in einer Tiefe von jenseits 100 Metern liegt. Daher fordern die Autoren selbst ein erweitertes Rechenmodell unter Berücksichtigung von Erosions- und Ablagerungseffekten. Geht man wie wir von einer späteren Flut aus, kommt ein stärkeres Gefälle hinzu, weil der Wasserspiegel in der Zwischenzeit noch stieg. Pitman/Ryan gingen in ihren Veröffentlichungen von dem "biblischen Jahr" aus, haben dies jedoch inzwischen offenbar auf fünf Jahre korrigiert.

Datierung der Flut auf 6400 oder 5500 vor Christus

Die Datierung mit 6400 vor Christus kann man getrost als Anachronismus bezeichnen. Die Autoren selbst nehmen gar keine Datierung vor, sondern beziehen sich auf ein Paper von Major, Ryan, Lericolais und Hajadas. Dieses ist Ausfluss einer Konferenz im Jahr 2003, auf der sich Wissenschaftler politisch geeinigt haben: Die Datierung 6400 vor Christus ist das äußerste Datum, das einen Konflikt zwischen Geologen und Archäologen vermeidet; denn danach war die Schwarzmeerregion im Norden nachweislich besiedelt. Daneben wurde auch noch das genaue Flutszenario offen gelassen. Heute wird selbst von deutschen Archäologen eine katastrophale Flut als Auslöser der jungsteinzeitlichen Revolution und anderer Umwälzungen in Betracht gezogen.

Die genaue Datierung auf 6400 vor Christus ist dem zitierten Paper aber in keiner Weise zu entnehmen. Major et al. schreiben nur von wesentlichen Änderungen, die sich zwischen 6400 und 5100 vor Christus ergeben haben. Diese können auch Folge der ab dann einsetzenden Trockenzeit sein. Zum Hintergrund:

Alleine die Datierung der Sedimente kommt zu wesentlich größeren Streubreiten und lässt damit einen weiteren Interpretationsspielraum von Jahrhunderten oder sogar eher Jahrtausenden zu. Ist es vor dem Hintergrund einer katastrophalen Flut, die alte Ablagerungen aufwirbelt, nicht sogar vorhersagbar, dass die Datierung der Sedimente zu älteren Daten führen muss? Diese Proben sind in einem katastrophalen Flutszenario kontaminiert!

Wir bestreiten nicht die technische Richtigkit der Datierung von Sedimenten auf 6400 oder 6700 vor Christus, wie manchmal auch gefordert. Jedoch ist dies das vorhesagbare Ergebnis einer katastrophalen Flut 5500 vor Christus. Wir dürfen nich vergessen, dass die Datierung der jüngsten Frischwasserfauna auf 5500 vor Christus unbestritten steht. Man möge uns also erklären, wie man den Zeitraum einer Salzüberflutung und eines Absterbens der Frischwasser-Organismen über 1000 Jahre und mehr überbrücken will. Die lieblose Erklärung hierfür soll sein, dass das Salzwasser zunächst nur in der Tiefsee vorhanden war und erst nach 1000 Jahren das Kontinentalschelf erreichte. Dem steht allerdings entgegen, dass das Wasser vom Unterwasser-Canyon (s.o.) direkt auf das Schelf geleitet wurde und dort auf bereits brackiges Wasser traf.

Major, C., Ryan, W., Lericolais, G., Hajades, I.: „Constraints on Black Sea outflow to the Sea of Marmara during the last glacial – interglacial transition“, in: Marine Geology 190, p 19-34, 2002
Ryan, W., Pitman, W., Major, C., Shimkus, K., Moskalenko, V., Jones, G., Dimitrov, P., Gorür, N., Sakinc, M., Hüseyin, Y.: „An abrupt drowning of the Black Sea Shelf“, in: Marine Geology 138, p. 119-126, 1997
Siddall, M., Pratt, L.J., Helfrich, K.R., Giosan, L.: „Testing the physical oceanographic implications of the suggested sudden Black Sea infill 8400 years ago“, in: Paleoceanography 19, 2004

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