Expedition 1:
Sommer 2004
Das hier vorgestellte
Ergebnis basiert unter anderem auf den Erkenntnissen einer kleinen Expedition
„auf den Spuren der Atlantisflüchtlinge“ entlang der Donau bis zum Schwarzen
Meer. Wir danken der bulgarischen Archäologin Velichka Matsanova (derzeit mit
Tell Rakitovo beschäftigt) für anregende Gespräche, Literatur und eine
Einführung in die lokale Chronologie. Folgende Bücher fanden wir besonders
empfehlenswert:
Ivan Ivanov, Maya Avramova, „Varna Necropolis - The
Dawn of European Civilisation“, 2000, ISBN 954-8761-48-3
Petko Dimitrov, Dimitar Dimitrov, „The Black Sea -
The Flood and the Ancient Myths“, 2004, ISBN 954-579-335-X (wir haben diesem
Buch einen eigenen Beitrag gewidmet)
Henrieta Todorova [Hrsg], „Durankulak Teil 1 und
Teil 2“, 2002, ISBN 954-426-465-5
These/Doktrin
Nach der nahezu
einhelligen Meinung entwickelte sich die sesshafte Landwirtschaft bis etwa 8000
vor Christus im „fruchtbaren Halbmond“ von Palästina über Zentralanatolien bis
an die mesopotamischen Berghänge. Bis etwa 7000 vor Christus breitete sie sich
über ganz Anatolien aus.
Anschließend soll - und
das bestreiten wir energisch - diese neue Technologie über die Ägäis nach
Griechenland gekommen sein, wo sie ab etwa 6400 vor Christus nachweisbar ist
(schwarz-monochrome Keramik, später Sesklo-Kultur). Von hier aus breitete sie
sich in den mittleren Donauraum aus, wo sie ab 6200 vor Christus nachweisbar
ist (Starcevo-Körö-Cris). Ein wesentlicher Grund für diese Annahme ist die
Tatsache, dass an der Westküste des Schwarzen Meeres kaum frühe Ansiedlungen
gefunden wurden.

„Klassischer“ Ausbreitungsweg der sesshaften
Landwirtschaft
Schließlich breitete sie
sich mit der neolithischen Revolution ab 5500 rasant über ganz Europa aus.
Kritik
Dieser Darstellung können
wir - was den Mittelteil angeht - nicht folgen.
Unter Berücksichtigung der
damals geläufigen Technologie ist es unvorstellbar, dass Menschen systematisch
mit Hab und Gut die Ägäis überquert haben. Diese Theorie ist eine
Hilfskonstruktion, weil es noch unwahrscheinlicher ist, dass Menschen den
Bosporus mit seiner starken Strömung überquerten. Die Archäologen, die diese
Doktrin ersannen, konnten ja noch nicht wissen, dass zu der Zeit noch eine
Landbrücke zwischen Europa und Asien bestand! Aber wo bitte sind die Funde von
Schiffen, von Bildern von Schiffen oder von Plastiken von Schiffen? Eine solche
Technologie gab es noch nicht. Hochseeschifffahrt und Segeltechnik wurden nicht
früher als im 2. Jahrtausend vor Christus entwickelt und selbst für die
spätbronzezeitlichen Griechen war die Querung der Ägäis noch eine
Herausforderung. Die Archäologen, die die Theorie einer systematischen
Wanderung über die Ägäis vertreten, sollten die Möglichkeit einmal
experimentell mit einem Floß oder einem Einbaum überprüfen.
Auch das Vorkommen sehr
früher Kulturen in Thrakien (Südbalkan) zum Beispiel mit der Karanovo-Kultur
spricht eher dafür, dass die Besiedlung über die Landbrücke erfolgte. Der
europäische Teil der Türkei ist leider noch Terra Incognita, aber Ausgrabungen
haben hier bereits begonnen.
Ebenso abenteuerlich mutet
der zweite Teil der Theorie an: Die ersten Siedler in Griechenland sollen dann
(ohne Not) das Balkangebirge querend den mittleren Donauraum besiedelt haben.
Das mag ja theoretisch noch angehen - dann müssen sie aber gleichzeitig -
wiederum ohne Not - noch die Südkarpaten und die Nordkarpaten gequert und die
Bug-Dnjepr-Kultur begründet haben. Ein solches Verbreitungsmuster ist für
Europa völlig untypisch. Typischerweise geschah die Eroberung neuer Flächen
entlang der Flüsse, die gleichzeitig Transport- und Kommunikationswege waren.
Schließlich hat gerade die
Kultur auf dem Zentralbalkan die engsten Übereinstimmungen mit den
Entwicklungen in Anatolien. Die spricht dagegen, dass die Ausbreitung erst den
Umweg über Griechenland nahm.
Antithese (Atlantis-Sintflut-Theorie)
Nach unserer Meinung
bestand zur Zeit der Ausbreitung der sesshaften Landwirtschaft nach Europa noch
eine Landbrücke zwischen Europa und
Asien, und zwar genau dort, wo heute der Bosporus den Weg versperrt. Es gab
also keinen Grund, die Ägäis zu queren - die Siedler breiteten sich einfach
entlang der Küsten aus, wie sie es seit jeher gewohnt waren.
Das Schwarze Meer war zu
jener Zeit noch ein Süßwassersee mit einer Küstenlinie, die 120 Meter unter dem
heutigen Stand des Weltmeeres lag. So meinen wir denn auch, dass der Hauptstrom der Siedler eben nicht nach
Griechenland entlang des Mittelmeeres, sondern nach Norden entlang der Küste des Süßwassersees zog.
Im Nordwesten fanden sie
eine große Ebene - heutiges
Kontinentalschelf - die klimatisch begünstigt war: Von 6200-5800 vor Christus
gab es eine Zwischeneiszeit in Europa, deren Auswirkungen in der Ebene (unter
dem Spiegel des Weltmeeres), was die Temperaturen
angeht, abgefedert wurden.
Die Zwischeneiszeit führte
zu einer Austrocknung des fruchtbaren Halbmonds - der Wasserstand des Vansees
in der Osttürkei sank in dieser Zeit um 250 Meter - so dass viele Siedler
auswanderten. Dies erklärt wohl auch den relativ schnellen Exodus gerade zu
jener Zeit. Auch die Folgen der
Austrocknung konnten in der neuen Heimat abgefedert werden, da eine
Vielzahl von Flüssen die Ebene durchzieht.
Erfahrungen mit einfacher
Bewässerung wurden in Jericho bereits um 7000 vor Christus gemacht. Klima und
Bewässerung erlaubten relativ schnell zwei Ernten, zumal es in der Ebene Lössboden gab, wie Bohrungen zeigten.
So entstand in der Ebene
in der Zeit bis 5500 vor Christus ein großes neolithisches - gegen Ende hin
wahrscheinlich sogar kupfersteinzeitliches - Zentrum, dessen Ausläufer sich
bereits ab 6200 vor Christus an den jeweiligen Zuflüssen zu der Ebene zeigen.
Diese zogen nämlich nicht über Land, sondern flussaufwärts bis zur neuen Klimagrenze. Dies half auch, den
entstehenden Bevölkerungsdruck in der Ebene abzufedern.
Das Konstrukt der
europäischen „Mittelsteinzeit“ ist
nur deshalb entstanden, weil dieses hoch entwickelte jungsteinzeitliche Zentrum
mit der Sintflut vernichtet und vollständig unter Sedimenten begraben wurde;
man meint, jungsteinzeitliche Einsprengsel in einem altsteinzeitlichen Umfeld
gefunden zu haben - tatsächlich fand man die Ausläufer eines neolithischen
Zentrums.
Wir gehen sogar soweit,
dass ab spätestens 5800 vor Christus keine
anatolische Prägung Europas, sondern umgekehrt eine europäische Prägung
Anatoliens vorlag. Unseres Erachtens war das ganze Gebiet tatsächlich ein frühes
Imperium, das das nördliche Schwarzmeer, den Balkan, Griechenland und Anatolien
kontrollierte. Man bedenke, dass wohl in dieser Zeit das Konzept der
gottgleichen Könige erfunden wurde (siehe hierarchische Ordnung der
Varna-Kultur), welches später von den Folgekulturen erfolgreich kopiert wurde
und erst den Aufstieg von Hochkulturen erlaubte. Insofern ist es nicht
undenkbar, das tatsächlich ein solches Königreich existierte, wie es mit der
Atlantissage überliefert wurde: Der Aufstieg erfolgt bekanntlich innerhalb
kürzester Zeit (siehe Babylon, Rom, Griechenland) und nicht in Jahrtausenden.
Die Sintflut um 5500 vor
Christus löste eine Fluchtwelle aus, die sich in Europa mit der neolithischen
Revolution zeigt. Auf dem Balkan tritt die Vinca-Kultur in Erscheinung, die
bereits über Schrift
verfügt - was von Archäologen aber gerne bestritten oder kleingeredet
(„Sakralschrift“) wird, weil es nicht in ihr Weltbild passt. Genau so gerne
wird ignoriert, dass die frühesten Hochkulturen eben nicht in Mesopotamien oder
Ägypten, sondern in Europa entstanden:


Vinca- Schrift und Varna-Gold

Langhaus der Linearbandkeramik
Besiedlung der westlichen Schwarzmeerküste -
allgemein
Uns wird vorgehalten - und
dieses Argument scheint auf den ersten Blick plausibel zu sein - dass nach
unserer Theorie folgendes gelten müsste:
Tatsächlich ist es so,
dass die Gegend der heutigen westlichen Schwarzmeerküste zu der Zeit - bis ca.
5250 vor Christus - nicht in Erscheinung getreten ist (danach aber fast von
Anfang an gleich als Kupfersteinzeit).
Dennoch sind die Aussagen grundfalsch:
Besiedlung am Beispiel von Varna und Durankulak
An der westlichen
Schwarzmeerküste entsteht ab der 2. Hälfte des 6. Jahrtausends vor Christus die
Hamangia Kultur. Unseres Erachtens
finden sich die ersten Spuren wohl am Unterlauf der Donau und sind damit durch
den Eintrag von Sedimenten durch die Donau weitestgehend verborgen. Nicht
umsonst ist das Zentrum dieser Kultur in der Gegend von Constanta in Rumänien
zu suchen, wo noch lange nach der Sintflut die Donau mündete, bevor sie ihr
Delta wegen Verlandung nach Norden verlegte.
Im Rahmen dieser
Hamangia-Kultur wurden zwei küstennahe Orte besonders bekannt, insbesondere
durch die fast vollständige Ausgrabung der Gräberfelder: Varna wurde durch
seinen Goldhort berühmt, Durankulak hingegen durch die fast vollständige
Ausgrabung auch der jungsteinzeitlichen Siedlung. Beide Ansiedlungen liegen in
der Dobrudscha, einer Steppe zwischen Karpaten im Westen und Schwarzem Meer im
Osten. Die Dobrudscha ist insgesamt relativ trocken und damit nicht besonders
geeignet für Regenfeldbau. Durch Klimaveränderungen gab es in der Zeit von
4800-4300 vor Christus ein lokales Klimaoptimum mit stärkeren Niederschlägen.
So sind das Aufblühen und auch der Untergang der Kulturen um die Mitte des 5.
Jahrtausend vor Christus zu erklären.
Die unter der Leitung von
Professorin Henrieta Todorova untersuchte Siedlung Durankulak liegt etwa 40 Kilometer nördlich von Varna an einem
Haff, das durch Frischwasserzuflüsse einen geringen Salzgehalt aufweist. Auf
einer Insel in diesem Haff fanden sich Bauten: Hier bestand spätestens ab 5200
vor Christus eine Siedlung. Auf dem zugehörigen Festland liegt ein Gräberfeld,
welches nahezu vollständig untersucht werden konnte. Die ältesten und wohl auch
interessantesten Gräber liegen aber auch hier unter Wasser und konnten somit
noch nicht untersucht werden.


Durankulak - Nachbau von Atlantis?
Die Siedlung auf der Insel
umfasste ständig rund 50 Einwohner, deren durchschnittliche Lebenserwartung bei
18 Jahren lag. Diejenigen, die das 5. Lebensjahr erreichten, hatten eine
Lebenserwartung von etwa 30 Jahren.
In einer der ältesten
Schichten um 5000 vor Christus wurde Bausubstanz von Steinhäusern entdeckt:
Häuser, zwei Tempel und ein Palast. Insel - zwei Tempel - ein Palast: Eine
perfekte Miniatur von Atlantis!
Unter der Leitung von Ivan
Ivanov wurde die Region von Varna
untersucht. Diese war deutlich dichter besiedelt. An dem Haff von Varna wurden
insgesamt acht Siedlungen gefunden, die allerdings sämtlich in einer Tiefe von
drei bis acht Metern unter dem heutigen Wasserspiegel liegen. Nimmt man an,
dass diese Siedlungen ursprünglich zwei Meter über dem Wasserspiegel lagen,
legt dies eine Gründung zwischen 5000 und 4000 vor Christus nahe, was auch der
Datierung seitens der Archäologen entspricht. Aus unserer Sicht besteht kein
Grund, an dem festgestellten Alter der Siedlungen zu zweifeln.
Weltberühmt (und dennoch
gerne von Archäologen ignoriert) wurde Varna durch den ausgegrabenen Goldhort, der
in Gräbern gefunden wurde. Hier wurde mehr verarbeitetes Gold aus dem 5.
Jahrtausend vor Christus gefunden, als auf dem gesamten Rest der Erde
zusammengenommen. Man weiß wohl, dass dieses Gold überwiegend in der zweiten
Hälfte des 5. Jahrtausends vergraben wurde. Man weiß jedoch nicht, wann diese
Artefakte hergestellt wurden und auch die Herkunft des Goldes ist zu einem
großen Teil ungeklärt. Wir meinen: Dieses Gold ist Fluchtgold aus Atlantis!

Varnagold - Fluchtgold aus Atlantis?
Die Kulturen von
Durankulak und Varna, die aus der Hamangia-Kultur (5250-4500 vor Christus) in
eine eigene Varna-Kultur (ab 4500 vor Christus) übergehen, waren lange vor Mesopotamien und mutmaßlich Ägypten weit entwickelt.
Nachgewiesen ist der Handel von Kupferartefakten mit der Dnjestr-Kultur und
sogar bis in den Wolga-Raum hinein. Frau Professorin Todorova vertritt unseres
Erachtens zutreffend anhand der Fundverteilung die Ansicht, dass hier auch das
Zentrum des Handels mit Spondylus-Muscheln lag: Diese Muscheln gelten ab 5500
vor Christus als Zahlungsmittel in Europa.
Von Anfang an zeigt sich bei
dieser Kultur eine starke soziale
Differenzierung, die sich aus der Bauweise und den Grabbeigaben ableiten
lässt. Diese neue Organisationsform der „gottgleichen Könige“, der „heiligen
Ordnung“ oder wie sie heute genannt wird der „Hierarchie“ war es, die der
Clan-/Stammesordnung überlegen war und den Aufstieg von Atlantis zu einer
frühen Supermacht und Hochkultur erlaubte. Diese Idee entwickelte sich unseres
Erachtens in der ersten Hälfte des 6. Jahrtausends in Atlantis im
nordwestlichen Schwarzmeer und wurde später von den frühen europäischen (Vinca,
Varna) und asiatischen (Mesopostamien, Ägypten) Hochkulturen fortgeführt.
Ergebnis
Frankfurt, den 15. Juli 2004
Prof. Dr.
Siegfried G. Schoppe Christian M.
Schoppe, MBA
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Interesse an unserem Buch?
„Atlantis und die Sintflut - die erste
Hochkultur versank 5510 vor Christus im Schwarzen Meer“