Atlantis und die Sintflut

Fakten und Fiktionen über Atlantis

 

Nachdem Gelehrte im vierten Jahrhundert nach Christus aus der Bibliothek von Alexandria kommend berichteten, dass sie die Atlantis Sage für wahr hielten (Plato selbst spricht von einer seltsamen, „aber durchaus in der Wahrheit begründeten Sage“), ist diese Geschichte im weiteren Zeitverlauf mehr und mehr zu einem Mythos verkommen.

 

 

Die Wissenschaft lehnt diesen Mythos in weiten Teilen als reine Fiktion ab. Dazu beigetragen hat sicherlich auch die Verselbstständigung dieses Mythos: Das was heute über Atlantis berichtet wird, hat teils gar nichts mehr mit der ursprünglichen Überlieferung zu tun; man denke an den Disney-Film oder die Filmserie Stargate Atlantis. Typisch für diese Varianten, die keinerlei Bezug zu Überlieferung haben sind

 

o       Außerirdische Einflüsse

o       Unbekannte Energiequellen

o       Fluggeräte

 

Zwischen den überlieferten Fakten und der völligen Fiktion dieser Filme gibt es noch eine Ebene von „Fakten-Interpretationen“ der Atlantisforschung, welche sich nicht in der Sage finden, aber aus der Überlieferung abgeleitet wurden und heute leider wie Fakten angesehen werden. Die Berühmtesten Halbwahrheiten sind

 

o       Atlantis liegt im Atlantik

o       Atlantis ist eine Insel

o       Tropisches Klima

o       Vorkommen von Kokosnuss und Ananas

o       Pyramidenkult

o       Transozeanischer Handel

o       Überlegene Technologie

o       Blutgruppe 0

 

Diese „Fakten“ sind in Wirklichkeit Interpretationen. Sie liegen im Grenzbereich zwischen Fakt und Fiktion.

 

Es drängt sich daher schon die Frage auf: Was genau wurde eigentlich überliefert? Leider sind auch führende Tageszeitungen nicht in der Lage, die mit den Theorien verbundenen Killerargumente zu finden, so dass auch absurde Theorien hin und wieder ihren Weg in die Weltpresse finden. Mit dem folgenden Katalog sollte es zumindest möglich sein, den Unfug nach einem Ausschlussprinzip schnell zu eliminieren.

 

Aus unserer Sicht müssen von einer umfassenden Atlantistheorie die folgenden Hauptpunkte schlüssig erklärt werden:

 

o       Flut: Versinken im Meer und Erdbeben

o       Kulturelle Einordnung mit Griechen und Ägyptern

o       Könige von Atlantis

o       Topographie

o       Grad der Entwicklung

 

Flut: Versinken im Meer und Erdbeben

 

Nach der Überlieferung wurde die Insel Atlantis durch Versinken im Meer den Augen entzogen. In diesem Zuge gab es auch Erdbeben.

 

„Indem aber in späterer Zeit gewaltige Erdbeben und Überschwemmungen eintraten, versank, indem nur ein schlimmer Tag und eine schlimme Nacht hereinbrach, eure [die Griechische] Heeresmacht insgesamt und mit einem Male unter die Erde, und in gleicher Weise wurde auch die Insel Atlantis durch Versinken in das Meer den Augen entzogen.“

 

Diese Konstellation geologisch zu finden ist sehr schwer. Die meisten Atlantistheorien behelfen sich daher mit Meteoriteneinschlägen. Rein praktisch führt aber ein solcher Einschlag nicht dazu, dass eine Landmasse versinkt. Wer einmal den Barringer Krater in Arizona besucht hat vermag zu ermessen, welch geringen Effekt selbst ein großer Meteorit auf die Erdoberfläche hat. Hätte ein solcher Meteorit tatsächlich einen Inselkontinent auch nur teilweise versenkt, dürfte es heute keine Menschen mehr geben.

 

 Barringer Krater in Arizona (ca. 30.000 v. Chr.)

 

So bleiben diese Theorien auch den entsprechenden Einschlagkrater schuldig und behelfen sich mit einem Einschlag im Meer. Ein solcher Einschlag könnte wohl einen Tsunami auslösen, aber die Insel nicht dauerhaft versenken und würde nur mit weiteren Hilfsargumenten Erdbeben erklären (dann fehlt aber wieder der Krater).

 

Gerne behilft man sich daher auch mit Vulkanausbrüchen wie in der Santorin- oder Kreta-Theorie. Dagegen ist nichts einzuwenden, außer dass in der Sage trotz des ansonsten hohen Detaillierungsgrades von einem Vulkanausbruch nicht ausdrücklich die Rede ist und dass ein solches Ereignis auch kein „Versinken“ im Meer zu erklären vermag.

 

Kulturelle Einordnung mit Griechen und Ägyptern

 

Auch wenn viele es nicht wahr haben wollen: Das tragende Element der Sage – neben der Flut - ist ein Krieg zwischen Atlantis und den – so ausdrücklich – asiatischen Vorfahren der Griechen und Ägypter.

 

„Diese in eins verbundene Gesamtmacht unternahm es nun einmal, euer[Griechen] und unser[Ägypter] Land und das gesamte diesseits des Eingangs gelegene durch einen Heereszug zu unterjochen. Da nun, o Solon, wurde das Kriegsheer eurer Vaterstadt durch Tapferkeit und Mannhaftigkeit vor allen Menschen offenbar. Denn indem sie durch Mut und die im Kriege anwendbaren Kunstgriffe alle übertraf, geriet sie, teils an der Spitze der Hellenen, teils, nach dem Abfalle der übrigen, notgedrungen auf sich allein angewiesen, in die äußersten Gefahren, siegte aber und errichtete Siegeszeichen über die Heranziehenden, hinderte sie, die noch nicht Unterjochten zu unterjochen, uns übrigen insgesamt aber, die wir innerhalb der Heraklessäulen wohnen, gewährte sie großzügig die Befreiung.“

 

„Ferner ist auch die Art der Rüstung mit Schild und Speer dieselbe, deren wir unter den Bewohnern Asiens zuerst uns bedienten, indem die Göttin sie uns [Ägypter], wie euch [Griechen] in dortiger Gegend zuerst, lehrte.“

 

„Da sie selbst [die Griechen] so wacker waren und in solcher, so ziemlich sich gleich bleibenden Weise gerecht ihr eigenes Vaterland [Asien!] und Hellas verwalteten, erwarben sie sich durch körperliche Schönheit und die allseitigen Vorzüge ihres Geistes durch ganz Europa und Asien einen Ruf und waren unter allen damals Lebenden die gepriesensten.“

 

Leider gehen die meisten Theorien darauf gar nicht ein. Dieses Kriterium führt dazu, dass sämtliche Theorien, die sich weiter als 1000 Kilometer von der Türkei entfernt abspielen, zu disqualifizieren sind.

 

Dieser direkte Bezug wird durch eine Vielzahl weiterer Hinweise verstärkt. Sowohl die konkreten Lagebschereibungen wie „Asien“, „Europa“, „Ägypten“, Libyen“, „Tyrrhenien“, „Hellas“ wie auch die religös-kulturellen Vorstellungen wie Stierkult, Brand- und Trankopfer, Standbilder, heilige Haine und Tempel für viele Götter binden Griechenland, Ägypten und Atlantis zusammen – in der Nähe von Kleinasien.

 

Könige von Atlantis

 

Auf dieses Kriterium geht keine uns bekannte Theorie (außer der Atlantis-Sintflut-Theorie) umfassend ein. Plato beschreibt allerdings ausdrücklich, dass die Namen eine wichtige Bedeutung haben:

 

„Doch eine Kleinigkeit müssen wir noch unserer Erzählung vorausschicken, damit es euch nicht etwa wundernehme, wenn Barbaren hellenische Namen führen; sollt ihr doch den Grund davon vernehmen. Da nämlich Solon die Absicht hatte, diese Erzählung bei seinen Dichtungen zu benutzen, forschte er genau der Bedeutung der Eigennamen nach und fand, dass jene Ägypter, welche zuerst sie aufzeichneten, dieselben in ihre Sprache übertragen hatten; da nahm er selbst den Sinn jedes Eigennamens wieder vor und schrieb sie, indem er auf unsere Sprache sie zurückführte, nieder.“

 

Topographie

 

Auf diesen Bereich entfällt eine Vielzahl kleiner Kriterien. Es geht dabei um die geographische Beschaffenheit des Landes, der Umgebung sowie insbesondere um das Meer.

 

Während man die geographischen Besonderheiten sicherlich an vielen Stellen festmachen kann, berichtet die Sage über das Meer folgendes, was in den wenigsten Theorien aufgegriffen wird:

 

„…wurde auch die Insel Atlantis durch Versinken in das Meer den Augen entzogen. Dadurch ist auch das dortige Meer unbefahrbar und undurchforschbar geworden, weil der in geringer Tiefe befindliche Schlamm, den die untergehende Insel zurückließ, hinderlich wurde.“

 

Auch darauf geht leider kaum eine Theorie ein.

 

Grad der Entwicklung

 

Darunter fassen wir im weitesten Sinne die beschriebene Flora und Fauna, die vorhandene Technik, Architektur und die Wirtschaftsweise sowie den Handel.

 

Auch in diesen Bereich fällt eine Vielzahl kleiner Kriterien. Bemerkenswert sind hier insbesondere die folgenden:

 

„Zuerst, was da an Starrem und Schmelzbarem durch den Bergbau gewonnen wird, und auch die jetzt nur dem Namen nach bekannte Art - damals dagegen war mehr als ein Name die an vielen Stellen der Insel aus der Erde gegrabene Gattung des Bergerzes [Oreichalkos], welche unter den damals Lebenden, mit Ausnahme des Goldes, am höchsten geschätzt wurde.“

 

„Und so war denn auch das Geschlecht der Elefanten hier sehr zahlreich; bot sie doch ebenso den übrigen Tieren insgesamt, was da in Seen, Sümpfen und Flüssen lebt und was auf Bergen und in der Ebene haust, reichliche Nahrung wie auch in gleicher Weise diesem von Natur größten und gefräßigsten.“

 

Sehr wichtig ist in diesem Zusammenhang die wiederholte Erwähnung einer Schrift. Darüber hinaus verkennen manche Theorien, dass eine solche Sage keine Ewigkeiten überdauert, dass der moderne Mensch erst seit 40.000 Jahren in Europa vorkommt und dass es eine sesshafte Landwirtschaft erst seit 8.000 vor Christus gibt.

 

Ergebnis

 

Die folgenden Fragen müssen von einer schlüssigen Atlantistheorie beantwortet werden:

 

o       Wie kam es zu der Flut?

o       Warum erfolgte der Untergang nicht schlagartig, sondern durch langsames Versinken?

o       Warum ist der Untergang dauerhaft?

o       Sind Erdbeben für die Region typisch?

o       Wie und warum kam es zu einer Interaktion zwischen Atlantern und Griechen?

o       Welche Bedeutung haben die Königsnamen?

o       Was ist mit Oreichalkos/Bergerz gemeint?

o       Gab es Elefanten?

o       Gab es Menschen? [moderner Mensch ab 120.000 v. Chr., ab 40.000 v. Chr. in Europa]

o       Gab es sesshafte Landwirtschaft? [erstmals ab 8.000 v. Chr. in Kleinasien nachgewiesen]

o       Gab es eine Schrift und wie erfolgte die Überlieferung der Sage?

 

 

 

Prof. Dr. Siegfried G. Schoppe          Christian Schoppe, MBA

Hamburg/Frankfurt, den 5. Februar 2005

 

 

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