Gab es die Sintflut im Schwarzen Meer?

 

„Und die Sintflut fand doch nicht statt“, titelte die ZEIT im Jahr 2002 [Link]. Damit sprach sie den erlösenden Satz, auf den die Wissenschaftsbürokratie mit viel Zeit und Energie hingearbeitet hatte. Doch ist die Hatz wirklich zu Ende? Zwar beherrscht diese Meinung weiterhin viele Foren, Zeitschriften und Zeitungen und anders lautende Meldungen werden von Wissenschafts-Journalisten und Archäologen bis heute fein säuberlich gefiltert und gelöscht. Umfassende und harte empirische Evidenz spricht jedoch ganz klar eine andere Sprache.

 

Als wir im Jahr 2004 unser Buch „Atlantis und die Sintflut“ veröffentlichten, stand die Hypothese von einer katastrophalen Flut unter schwerstem Beschuss. Wir möchten nun darstellen, warum wir trotz der Widerstände an einer Großen Flut um das Jahr 5500 vor Christus festhalten und warum wir uns darin zunehmend bestätigt fühlen.

 

WDR 5 Interview vom 17.01.2006 (ca. 20 Min.) [Link ]

 

[Hauptseite] [Impressum] Stand: 16.02.2006

 

INHALTSVERZEICHNIS

Grundlagen   1

Anstieg des Weltmeeres; Klima  1

Schwarzes Meer  3

Diskussion   5

Schwarzes Meer und „Sintflut-Hypothese“  5

Marmara Meer und „Outflow-Hypothese“  8

Synopse   9

 

 

Grundlagen

Anstieg des Weltmeeres; Klima

 

Vor 20.000 Jahren lag der Spiegel des Weltmeeres rund 120 Meter unter dem heutigen Niveau, da sich im Zuge der letzten Eiszeit große bis zu drei Kilometer dicke Eispanzer an den Polen und auf Hochgebirgen gebildet hatten. Während das Meeresniveau deutlich niedriger lag, drückten die Eispanzer auf Teile der Kontinentalplatten, so dass diese regelrecht eingedrückt wurden. Skandinavien wurde zu der Zeit beispielsweise durch das erhebliche Gewicht des Eispanzers etwa 300 Meter nach unten gedrückt, so dass die heutige Landmasse damals tatsächlich teilweise sogar noch unter dem damaligen Meeresspiegel lag, was aber wegen der mächtigen Eisdecke nicht zur Überflutung führen konnte. Das Gewicht der Eispanzer auf den Alpen führte beispielsweise dazu, dass die Donau, welche heute in das Schwarze Meer fließt, sich damals nicht durch das Eiserne Tor quälte, sondern in umgekehrter Richtung durch den Bodensee in den Rhein floss, der sich dann allerdings noch mit der Themse und der Elbe vereinigte, bevor er bei der Doggerbank mündete.

 

 Eiszeit in Europa vor ca. 20.000 Jahren

 

Im Laufe der darauf folgenden Jahre stieg der Spiegel des Weltmeeres um ca. 30-100 Zentimeter pro 100 Jahre an. Bis zum Jahr 3000 vor Christus erreichte der Spiegel des Meeres etwa den heutigen Stand. Der Anstieg erfolgte aber nicht gleichmäßig, sondern in Wellen. Unterschiede im globalen Klima führten zu Starken Schwankungen. Höhepunkte der Abschmelzwelle fanden sich um etwa 12000 vor Christus, 9000 vor Christus und 5800 bis 5500 vor Christus in jüngerer Vergangenheit.

 

Stand des Weltmeeres vor … Tausend Jahren © Gutscher 2005

 

Der Anstieg des Weltmeeres lässt sich insbesondere an Korallenriffen zuverlässig ablesen. Diese wachsen immer knapp unter der Wasseroberfläche. Steigt der Meeresspiegel, halten die Riffe mit diesem Wachstum mit. Da die kalkhaltigen Lebewesen gleichzeitig besonders gut zu datieren sind, kann man an der Kombination von Bohrtiefe und Alter den jeweiligen Wasserstand gut ablesen. Die globalen Klimaschwankungen selbst sind anhand der Geschwindigkeit des Anstiegs des Meeresspiegels ablesbar. Darüber hinaus sind sie durch Grönland-Eisbohrungen, die Untersuchung von Mooren und Baumringuntersuchungen insbesondere in jüngerer Zeit recht gut belegt. Die Warmzeit bis 5500 vor Christus führte zu einem nahezu vollständigen Abschmelzen der Gletscher in den Alpen.

 

Diese Entwicklung hat erheblichen Einfluss auf die Archäologie. So beginnt die Geschichte der Menschheit in den Lehrbüchern um das Jahr 3000 vor Christus. Erst langsam beginnt man zu begreifen, dass der größte Teil der Menschheit schon immer in Küstennähe wohnte und deren Hinterlassenschaften zum größten Teil unter dem Meeresspiegel liegen. Selbst antike Städte wie Alexandria oder die griechischen Siedlungen am Schwarzen Meer liegen heute unter Wasser.

 

So ist es zu erklären, dass auf Malta Spuren bis tief in das Meer hinein führen; dass man vor Indien in 40 Metern Tiefe eine voll ausgebildete Stadt findet; dass man vor Rügen Steinzeithäuser findet und dass vielleicht auch im Schwarzen Meer heute Ortschaften im Wasser begraben sind. Hätte beispielsweise im Jahr 5500 vor Christus irgendjemand eine Stadt im Nildelta gebaut, könnte man sie heute niemals finden. Sie läge heute 15 Meter unter Sedimenten und unter dem Grundwasserspiegel. Die antike Hauptstadt Ägyptens Sais wird heute unter größten Mühen ausgegraben, weil sie unter dem Grundwasserspiegel in den Sedimenten des Nildeltas liegt.

 

Festzuhalten bleibt hier, dass sich seit der letzten Eiszeit erhebliche geologische und klimatische Verwerfungen ergeben haben, die durchaus zu kuriosen Ergebnissen führen können. Die wechselvolle Geschichte der Ostsee mag das verdeutlichen: Bis 13000 vor Christus war sie von einem Eispanzer bedeckt, um sich dann bis 8000 vor Christus in einen Süßwassersee zu verwandeln. Durch den Anstieg und Einbruch des Weltmeeres wandelte sie sich bis 7000 vor Christus in eine salzhaltige Meerverbindung (!) zwischen Nordsee und Weißem Meer. Der Rückgang des Gletschereises entlastete sodann die Landmasse, so dass die Ostsee „aus dem Meer stieg“ und bis 5000 vor Christus wieder zu einem Frischwassersee wurde. Erst danach brach das Weltmeer wieder in die Ostsee ein, die wir heute als Meer mit geringem Salzgehalt kennen.

 

Ähnliches soll im Schwarzen Meer passiert sein. Interessanterweise war gerade die hier betrachtete Zeit um 5500 vor Christus von einem extremen Klima und einem extremen Anstieg des Weltmeeres geprägt. Die britischen Inseln waren erst wenige Jahrhunderte zuvor vom europäischen Festland getrennt worden.

 

Schoppe, S. und Chr.: „Spartel Bank Hypothesis – Rest in Peace“, 2005 [Link]

Gutscher, M.-A.: „Destruction of Atlantis by a great earthquake and tsunami? A geological analysis of the Spartel Bank hypothesis“, in: Geology, Vol. 33, No. 8, pp. 685-688, 2005 [Link]

 

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Schwarzes Meer

 

Wir kennen das Schwarze Meer als ein Binnenmeer mit relativ geringem Salzgehalt an der Oberfläche. Es bezieht sein Wasser überwiegend aus den europäischen Flüssen, davon wiederum ganz überwiegend aus der Donau. Der Wasserüberschuss fließt durch den Bosporus ab. Der Bosporus ist ein etwa 30 Kilometer langer, 700 bis 3.000 Meter breiter und etwa 100 Meter tiefer Canyon, wobei die Sattelschwelle (flachste Stelle) eine Tiefe von 32-34 Metern aufweist. In seiner eigenartig schmalen, gewundenen Form stellt der Bosporus ein tertiäres (65-2,5 Mio. Jahre) Flusstal dar, das im Diluvium unter den Meeresspiegel tauchte. Mit seinen bis 240 Meter hohen Uferwänden macht der Bosporus noch heute den Eindruck eines breiten Stromtales. Salzig ist das Schwarze Meer nur deshalb, weil das Wasser durch den Bosporus in zwei Richtungen fließt: An der Oberfläche fließt leichteres Wasser mit circa 2% Salzgehalt und einer Strömungsgeschwindigkeit von bis zu 250 Zentimeter pro Sekunde in das Marmarameer, welches die Ägäis und das Schwarze Meer verbindet. In der Tiefe fließt schwereres Salzwasser mit etwa 4% Salzgehalt in das Schwarze Meer. Der Wasserüberschuss des Schwarzen Meeres beträgt heute etwa 300 km³ pro Jahr.

 

Der Bosporus aus großer Höhe

 

Das Schwarze Meer ist ein totes Meer. Etwa 90% des Wasserkörpers sind ohne Sauerstoff und mit Schwefelwasserstoff verseucht. Ab einer Tiefe von 120 Metern ist reguläres Leben nicht mehr möglich. Bakterien besiedeln in großen Mengen den Meeresboden. Diese Verseuchung beruht auf einem „Umkippen“ des Meeres durch den Anstieg des Salzgehaltes nach der Verbindung mit dem Weltmeer. Absterbende Organismen (beziehungsweise die sie zersetzenden Bakterien) verbrauchten den vorhandenen Sauerstoff recht schnell. Sehr große Methanablagerungen in der Tiefe von bis zu über 2000 Metern bewirken ein Übriges. Nur scheinbar still ruht der See, der als Teil des früheren Urozeans Thetys übrig geblieben ist.

 

Tiefenprofil des Schwarzen Meeres

 

Bereits in der Antike war allerdings bekannt, dass das Schwarze Meer einmal ein Frischwassersee war. Strabo beschrieb dies um die Zeitenwende in seiner Bibiliotheca. Auch im Mittelalter schlossen türkische und ukrainische Forscher aus den Funden von fossilen Frischwassermuscheln, dass es wohl einmal einen See gegeben haben müsste. Im Jahr 1969 führten die US-amerikanischen Wissenschaftler Ross und Degens eine Mission unter dem bezeichnenden Titel „Atlantis II“ im Schwarzen Meer durch. Nach der Untersuchung von Bohrkernen war schnell klar, dass das Schwarze Meer einmal ein Frischwassersee war. Denn die Bohrkerne zeigten, dass auf eine Schicht von Frischwassermuscheln Salzwassermollusken folgten. Außerdem war der Übergang von grauen Ablagerungen eines Frischwassersees zu den schwarzen Sedimenten eines salzhaltigen Meeres erkennbar. Basierend auf diesen Fakten vermutete man, dass sich das Schwarze Meer durch den Anstieg des Weltmeeres ab 14000-10000 vor Christus langsam in ein Salzwassermeer verwandelte. Aber könnte es dort nicht einen katastrophalen Wassereinbruch gegeben haben?

 

Frischwasser und Salzwasserorganismen © Dimitrov 2004

 

 

Wikipedia: „Schwarzes Meer“ [Link]

Degens, E. T., Ross, D. A.: „Chronology of the Black Sea over the last 25,000 years“, Chem. Geol., 10: 1-16, 1972

 

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Diskussion

Schwarzes Meer und „Sintflut-Hypothese“

 

Im Jahr 1997 veröffentlichten William Ryan, Walter Pitman und andere ihre viel beachtete Sintflut-Hypothese. Unstrittig ist, dass das Mittelmeeer vor etwa 5 Millionen Jahren bis auf die tiefsten Senken trocken fiel, sich dann aber wieder mit dem Weltmeer verband. Nachgewiesen ist auch, dass das Marmara Meer bis etwa 12000 vor Christus vom Weltmeer abgeschlossen war und dann geflutet wurde. Das soll laut Pitman und Ryan auch mit dem Schwarzen Meer geschehen sein. Sie gehen davon aus, dass der Bosporus-Damm das Weltmeer länger als zuvor vermutet zurückhielt. Entgegen der bis dahin gültigen Annahme sei das Schwarze Meer erstens sehr spät erst um 5500 vor Christus und zweitens sehr plötzlich überflutet worden. Die bis dahin gültige Theorie ging von einem langsamen Einsickern von Salzwasser in den Frischwassersee ab 9000 vor Christus aus.

 

Darstellung des Wassereinbruchs am Bosporus © Dimitrov 2004// Mitte: Pitman/Ryan// Rechts: Buch (deutsch)

 

Um das Jahr 5500 herum kippte die Flora und Fauna des Schwarzen Meeres durch den Eintritt von Salzwasser. Dies wurde wiederholt nachgewiesen und ist auch im Grunde unbestritten. Für ihre Veröffentlichung werteten Pitman und Ryan eigene Bohrkerne des nördlichen Kontinentalschelfs aus. Die jüngsten Frischwassermuscheln und Schnecken datierten von etwa 5500 vor Christus. Eine Untersuchung der Bohrkerne der Atlantis II Mission aus 1969 in 2001 bestätigte die Datierung. Der amerikanische Entdecker der Wracks der Titanic und Bismarck, Robert Ballard, nahm im Jahr 2000 Proben an der früheren Südküste, welche die Datierung bestätigten und zudem ergaben, dass die ältesten Salzwasser-Lebewesen aus 5000 vor Christus datierten, womit das Meer vielleicht sogar 500 Jahre völlig tot war. Das würde auch erklären, warum die Besiedlung der Küste des Schwarzen Meeres erst ab 5200 vor Christus wieder begann und zwar zunächst an vorgelagerten Haffs in Varna und Durankulak. Ein EU Projekt (ASSEMBLAGE – Assessment of the Black Sea Sedimentary since the last Glacial Extremum) untersuchte die Sedimentablagerungen auf dem Boden des Meeres und kam im Jahr 2004 zu dem gleichen Ergebnis.

 

Sedimentablagerungen – Salzwasser und Frischwasser (© Dimitrov 2004)

 

Eine Untersuchung der nordwestlichen Ebene des Kontinentalschelfs mit Bohrungen und Sonar zeigte das Vorkommen von Dünen, Lössboden und Flussläufen an. Dies beweist zuverlässig, dass die Gegend zeitweise Wind und Wetter ausgesetzt war. Die Dünenbildung ist gleichzeitig ein Zeichen dafür, dass das durch Verdunstung zurückweichende Wasser des Schwarzmeer-Sees Landflächen freilegte, was überhaupt erst zu einer Dünenbildung führen konnte. Das Vorkommen von Lössboden zeigt, dass dieses Freiliegen nach dem Ende der letzten Eiszeit gelegen haben muss. Daneben ist auch die alte Strandlinie in etwa 120 Metern Wassertiefe erhalten. Eine Datierung der Strandlinie deutet auf eine Entstehung vor 7000 vor Christus hin. Wichtiger noch ist aber, dass die Dünen und Strandlinien sehr gut erhalten sind. Bei einem allmählichen Anstieg des Wasserspiegels wären sie durch Brandung erodiert worden. Im Jahr 2002 wurde darüber hinaus das Vorkommen von Salzvorkommen veröffentlicht – ein weiteres Indiz, dass das Schelf eine Verdunstung erlebte.

 

Früherer Flussverlauf, Lössboden und Dünen im nördlichen Kontinentalschelf © Pitman/Ryan 1997

 

Weiterhin gab es bereits Funde von menschlichen Siedlungsresten im Schwarzen Meer. Petko Dimitrov (Marineinstitut Varna/Bulgarien) fischte bereits 1985 mit dem Tauchboot 45 Kilometer östlich von Varna „Noahs Teller“ aus dem Meer: Ein von Franchesco Torre, Museum für Unterwasserarchäologie in Trapanni (Italien) jungsteinzeitlich eingeordnetes Sandsteingefäß.

 

Noahs Teller aus 100 Metern Tiefe/frühere Strandlinie/45 Kilometer östlich von Varna © Dimitrov 2004// Rechts: Buch

 

Robert Ballard entdeckte auf seiner ersten Reise in das Schwarze Meer im Jahr 1999 Reste von Obsidian Stein und Knochen. Obsidian ist ein für die Zeit typischer Fund in jungsteinzeitlichen Ansiedlungen. Dieser „Quarz-Stein“ kommt allerdings nur an wenigen Stellen vor (Karpaten, Kykladeninsel Milos, Osttürkei), definitiv jedoch nicht natürlich im Schwarzen Meer. Auf seiner Entdeckungsreise im Jahr 2000 entdeckte er sogar die Reste eines Unterwasserhauses und Steinwerkzeuge.

 

Siedlungsreste vor Sinop/Türkei in 120 Metern Tiefe © Ballard/Nationalgeographic 2000

 

Der Tübinger Geologe Michael Sperling hat im Jahr 2001 eine Modifikation der Sintflut-Theorie vorgeschlagen. Er geht von einer Flut um 6200 vor Christus aus. Dieses Ergebnis basiert er auf Sapropel-Untersuchungen im Marmara-Meer. Im Gegensatz zu der später vorgestellten „Outflow-Hypothese“ kommt er zu dem Ergebnis, dass der frühere Frischwassereintrag in das Marmara Meer nicht vom Schwarzen Meer aus erfolgte. Er kommt zu dem Ergebnis, dass die Trocken-/Kaltzeit von 6200-5800 vor Christus auf eben diese plötzliche Überflutung zurückzuführen ist.

 

Im Jahr 2004 rechnete Mark Siddall die physikalischen Auswirkungen einer plötzlichen Flutung nach. Er kam zu dem Ergebnis, dass der gigantische Wasserfall-Abfluss nach dem Eintritt in das Schwarzmeerbecken abknicken müsse; bei einer langsamen Flutung auf Grund der durch die Erdrotation entstehenden Coriolis-Kraft zwingend nach rechts; im Falle einer plötzlichen Flutung zufällig nach rechts oder links. Ein Abknicken nach links, so seine Hypothese, wäre demnach der Nachweis einer schnellen Überflutung.  Eben dieser linksdrehende Unterwasserkanal wurde gefunden (Nature, 2004). Darüber hinaus identifizierte er am Boden des Meeres hohe Sandablagerungen, die hier nur durch erhebliche Strömungen entstanden sein können. Pitman und Ryan hatten hingegen schon selbst eine große Abrutschung oder Unterwasserlawine am Bosporus-Ausfluss des Schwarzen Meeres entdeckt.

 

Ryan, W., Pitman, W., Major, C., Shimkus, K., Moskalenko, V., Jones, G., Dimitrov, P., Gorür, N., Sakinc, M., Hüseyin, Y.: „An abrupt drowning of the Black Sea Shelf“, in: Marine Geology 138, p. 119-126, 1997 [Link]

Pitman, W., Ryan, W.: „Sintflut – Ein Rätsel wird entschlüsselt“, 1999 [Link]

Ballard, R.: „Evidence of Human Habitation in the Black Sea“, www.nationalgeoraphic.com, 2000 [Link]

Major, C., Ryan, W., Lericolais, G., Hajades, I.: „Constraints on Black Sea outflow to the Sea of Marmara during the last glacial – interglacial transition“, in: Marine Geology 190, p 19-34, 2002 [Link]

Sperling, M., Hemleben, C., Schmiedl, G., Weldeab, S.: „Interruption of Eastern Mediterranean Sapropel S1: 8,200 Cold Event or Noah’s Flood?Evidence from the Sea of Marmara and Levatine Basin“, in: American Geophysical Union, abstract # PP42A-0486, 2001 [Link]

Schiermeier, Q.: „Oceanography: Noah’s Flood“, in: www.nature.com, 2004 [Link]

Dimitrov, P.: „The Black Sea – a Clue to the Secrete of World Flood“, in: Bulgarische Akademie Meereswissenschaften p. 52-57, 2003 [Link]

Ryan, W., Major, C., Lericolais, G., Goldstein, S.: „Catastrophic Flooding of the Black Sea“, in: Annual Review of Earth and Planetary Sciences 31, p. 525-554, 2003 [Link]

Dimitrov, P., Dimitrov, D.: „The Black Sea – The Flood and the ancient Myths“, Varna, 2004, ISBN 954-578-335-X [Link]

Bojanowski, A.: „Schwarzer Schlamm – Kam es vor 8300 Jahren am Schwarzen Meer zu einer Sintflut wie in der Bibel? Sedimente und eine Computersimulation legen das nahe“, in: Welt am Sonntag Nr. 23, S. 72, 2005 [Link]

Siddall, M., Pratt, L.J., Helfrich, K.R., Giosan, L.: „Testing the physical oceanographic implications of the suggested sudden Black Sea infill 8400 years ago“, in: Paleoceanography 19, 2004 [Link]

Universität Hamburg: „Forschungsprojekte: ASSEMBLAGE - Assessment of the Black Sea sedimentary since the last glacial extremum“ [Link]

Radiointerview zum Thema (Pitman/Ryan) in Englisch: [Link ]

Conference: “Noah's Flood” and the Late Quaternary Geological and Archaeological History of the Black Sea and Adjacent Basins [Link]

 

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Marmara Meer und „Outflow-Hypothese“

 

Nachdem Pitman und Ryan die Forschergemeinde herausgefordert hatten, ließ die Reaktion nicht lange auf sich warten. Die Marine-Geologen waren aufgebracht, weil ihre bisherige Doktrin ins Wanken geriet. Die für die Jungsteinzeit zuständigen Archäologen kamen in Beweisnot, weil die Sintflut tatsächlich die gesamte „zivilisierte“ Menschheit dieser Zeit betroffen hätte. Verschiedene Religionsgemeinschaften (Zeugen Jehovas, Evangelikale, Pfingstler) kamen ebenfalls in Bedrängnis, weil sie die Geschichte einer Weltflut als historische Wahrheit verkaufen und eine lokale Flut konzeptionell nicht so recht passen will. Die großen Religionsgemeinschaften (Judentum, Christentum, Islam à Nennung in der zeitlichen Reihenfolge des Entstehens), welche sämtlich das Konzept einer Sintflut teilen, waren hingegen gelassen-interessiert, weil sie die Sintflutberichte lediglich als Lehrbeispiel ohne historischen Wahrheitsanspruch betrachten.

 

So ergoss sich im Herbst 2002 ein Trommelfeuer von Beiträgen im Fachmagazin „Marine Geology“ über Pitman und Ryan (Marine Geology 2002, Band 190 Ausgaben 1-2). Diese Beiträge waren allerdings sämtlich zentral durch Ali Aksu als Bindeglied gesteuert und repräsentieren somit sämtlich nur die Meinung einer Fraktion. Konsequenterweise wurde der Gesamtzusammenhang bereits im Mai 2002 in GSA Today vorab veröffentlicht. Dass Ryan in derselben Ausgabe von Marine Geology ebenfalls einen Beitrag mit veröffentlichte, und zwar nach einer gemeinsamen Konferenz im Sommer 2002, wird von der englischen Sprache unkundigen Lesern gerne als Beleg dafür genommen, dass er von seiner These abrückte. Das ist aber nicht der Fall; er griff vielmehr die von Ali Aksu et al veröffentlichte Meinung an und unterstrich noch einmal die bisherige Position. Die öffentliche Darstellung, wonach es wissenschaftlich eine Einigung gibt, ist somit Unsinn, das Gegenteil ist der Fall, wie die vielen neuern Quellen der Sintflut-Hypothese belegen.

 

Nach den Untersuchungen des Teams um Ali Aksu im Marmara Meer kommt diese Forschergruppe zu dem Ergebnis, dass es zwischen 8000 und 7000 vor Christus einen Überfluss vom Schwarzen Meer in das Marmara Meer gab. In der Bosporus-Mündung im selbigen Meer fanden sie ein früheres Delta. Sowohl aus der Datierung als auch aus der Tiefenlage und den Transgressionsspuren (Erosion durch langsamen Anstieg des Weltmeeres – was es eben im Schwarzen Meer nicht gibt (!)) ist ein Frischwasserausfluss wie auch die Datierung gesichert. Einen Ausfluss nach 7000 vor Christus konnten nicht mehr festgestellt werden.

 

Das Team trifft nun drei Annahmen, die aber nicht offen als solche gekennzeichnet werden. Die Beweggründe sind offensichtlich: „Wissenschaft sollte nicht durch das Lesen religiöser Texte beeinflusst werden. So macht man keine Hypothesen.“ (Ali Aksu in Nature, 2004). Diese Aussage ist wissenschaftlich natürlich Unsinn. Jeder Wissenschaftler ist frei, Hypothesen - auch aus religiösen oder historischen Texten - aufzustellen und daraus ein Theoriegebäude zu errichten. Nur müssen diese Hypothesen überprüfbar, das heißt beweisbar und widerlegbar, sein. Nun aber zu den Annahmen:

 

  1. Das Frisch-/Brackwasser stammt aus dem Schwarzen Meer.
  2. Der Bosporus-Kanal hat an seiner flachsten Stelle heute eine Tiefe von etwa 40 Metern. Das muss schon immer so gewesen sein.
  3. Das Schwarze Meer hatte von 8000-7000 vor Christus einen Wasserüberschuss und heute auch. Folglich muss es auch in der Zeit von 7000 vor Christus bis 5500 vor Christus einen Wasserüberschuss gehabt haben, obwohl ein solcher empirisch nicht nachweisbar ist.

 

Unter diesen Annahmen kommt das Team dann zu folgendem Szenario: Zu der betreffenden Zeit lag annahmegemäß der Kamm des Bosporus auf der Höhe des Weltmeeres (40 Meter unter dem heutigen Stand). In der Zeit von 7000 vor Christus stieg das Weltmeer zunehmend an, so dass das Weltmeer etwa ab 6000 vor Christus  (Stand 15 bis 20 Meter unter heute) deutlich höher lag als der Kamm des Bosporus-Damms. Nun bildete sich die heute noch existente Doppelströmung im Bosporus aus. In der Zeit von 6000-5500 vor Christus „schlich“ sich das Salzwasser unbemerkt an, indem es zunächst in die großen Tiefen absank. Erst 5500 vor Christus wirkte sich der Salzeinfluss dahin gehend aus, dass das Meer plötzlich biologisch starb.

 

Aksu, A., Hiscott, R., Mudie, P., Rochon, A., Kaminski, M., Abrajano, T., Yasar, D.: „Persistent Holocene Outflow from the Black Sea to the Eastern Mediterranean Contradicts Noah’s Flood Hypotheis“, in: GSA|TODAY 12/5, p. 4-9, 2002 [Link]

Aksu, A. et al.: „Seismic Stratigraphy of Late Quaternary deposits from the southwestern Black Sea Shelf: evidence for non-catastrophic variations in sea-level during the last ~10000 yr“, in: Marine Geology 190 p. 61-94, 2002 [Link]

Aksu, A. et al: „Deltas south of the Bosphorus Strait record persistent Black Sea outflow to the Marmara Sea since ~ 10 ka“, in: Marine Geology 190, p. 95-118, 2002 [Link]

Aksu, A. et al: „Last glacial-Holocene paleoceanography of the Black Sea and Marmara Sea: stable isotopic, foraminiferal and coccolith evidence“, in: Marine Geology 190 p. 119-149, 2002 [Link]

Aksu, A. et al: „Late Glacial to Holocene benthic foraminifera in the Marmara Sea: implications for Black Sea – Mediterranean Sea connections following the last deglaciation“, in: Marine Geology 190 p. 165-202, 2002 [Link]

Aksu, A. et al: „Dinoflagellate cysts, freshwater algae and fungal spores as salinity indicators in Late Quaternary cores from Marmara and Black seas“, in: Marine Geology 190 p. 203-231, 2002 [Link]

Aksu, A. et al: „Pollen stratigraphy of Late Quaternary cores from Marmara Sea: land-sea correlation and paleoclimatic history, in: Marine Geology 190 p. 233-260, 2002 [Link]

 

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Synopse

 

Die Gegner der Sintflut-Hypothese stützen ihre Ablehnung auf das folgende Ergebnis von Untersuchungen, die Marmara Meer (!) und nicht im Schwarzen Meer vorgenommen wurden:

o        „Wir sind überzeugt, dass die Outflow-Hypothese die beste Erklärung für seismische, sedimentäre und fossile Daten im Marmara Meer Durchlass bietet“ (GSA|TODAY, 2002, p. 9).

o        „Dennoch gibt es neue interessante Themenbereiche, die den Bedarf einer systematischeren Untersuchung der Geschichte des späten Quartärs des Durchgangs demonstrieren. Die Vor-Holozäne Geschichte des Wasserspiegels im Schwarzen Meer ist immer noch schwach abgesteckt.“ (GSA|TODAY, 2002, p. 9).

 

Befassen wir uns nun mit den impliziten Annahmen der Outflow-Hypothese:

 

  1. Das Frisch-/Brackwasser stammt aus dem Schwarzen Meer. Etwas ketzerisch darf man vielleicht fragen: Aus welchem der beiden Salzwassermeere bezieht eine Millionenstadt wie Istanbul ihr Wasser? Der mit Sedimenten verschüttete Bosporus-Kanal dürfte schon immer ein Frischwasser-Fluss, aber eben nicht unbedingt eine Meerenge, gewesen sein. Schließlich ist in der Region reichlich Frischwasser vorhanden (siehe: Seen) und das tertiäre Flusstal des Bosporus stellte ein ideales Abflusssystem dar. Außerdem war die in Rede stehende Zeit eine Warmzeit (Kremenetski, 2003), was sich in der Region in Monsunregenfällen äußert. Eine eigentlich als Widerlegung gedachte Veröffentlichung bestätigt das: „…schließen wir, dass es im südwestlichen Sektor des Bosporus während des späten Pleistozän und des frühen Holozäns eine topographische Barriere gab, an der sich beiderseits Mündungs- und Lagunensedimente ansammelten, mit unterschiedlicher Schwarzmeer- und Mittelmeerfauna“ (Kerey, 2004).
  2. Der Bosporus-Kanal hat an seiner flachsten Stelle heute eine Tiefe von etwa 40 Metern. Das muss schon immer so gewesen sein. Das ist unseres Erachtens ein Zirkelschluss. Wenn es eine plötzliche Flut gegeben hat, muss diese erhebliche Mengen an Sedimenten mitgerissen haben. Aber selbst wenn es nur die langsame Entstehung einer Strömung und Gegenströmung gegeben hat darf man annehmen, dass diese schnellen Strömungen Sedimente fort getragen haben. Die Outflow-Hypothese bricht in sich zusammen, wenn der Kamm auch nur einige Meter höher oder niedriger war als heute.
  3. Das Schwarze Meer hatte von 8000-7000 vor Christus einen Wasserüberschuss und heute auch. Folglich muss es auch in der Zeit von 7000 vor Christus bis 5500 vor Christus einen Wasserüberschuss gehabt haben, obwohl ein solcher empirisch nicht nachweisbar ist. Eine Widerlegung setzt voraus, dass der Nachschub aus den europäischen Flüssen - insbesondere der Donau - nachgelassen haben muss. Zufällig ist die Zeit durch extreme Klimabedingungen gekennzeichnet: Bis 6800 herrscht eine ausgesprochene Warmzeit (Kremenetski, 2003). Von 6200 bis 5800 vor Christus herrscht eine Kalt-/Trockenzeit (jüngere Dryaszeit), welche zum Beispiel dazu führte, dass der Wasserspiegel des Van-Sees in der Osttürkei um 250 Meter sank. Insgesamt ist es erstaunlich, wie schnell ein Wasserpegel durch Verdunstung bei Ausbleiben des Wassernachschubs abfallen kann. Beim Aralsee ist der Wasserstand in den letzten 40 Jahren um dreißig Meter gesunken, im Bodensee in den letzten zwei Jahren um beinahe zwei Meter. Zwar lässt sich der Wasserausfall aus Europa nicht ohne weiteres nachweisen. Es ist aber plausibel, dass sowohl eine extreme Warmzeit als auch eine extreme Kaltzeit zu einem Rückgang des Zuflusses führen können.

 

Resümierend muss man zu dem Ergebnis kommen, dass beiden Hypothesen noch der durchschlagende geologische Beweis fehlt; beide Hypothesen sind mit einer Gemengelage von Indizien unterfüttert. Die eine oder andere Hypothese auf Basis dieser Daten als alleine richtig anzusehen halten wir bei dieser Befundlage für wissenschaftlich unhaltbar. Allerdings ist damit das Ende der Prüfung zwar geologisch aber noch nicht endgültig erreicht. Wenn man sich die Umgebung ansieht stellt man fest,

 

  1. dass um das Schwarze Meer mehrere Sintflutgeschichten überliefert sind, die auch konzeptionell das Ansteigen des Wasserspiegels wiedergeben, nicht aber eine „Tsunami“-Flut;
  2. dass die resultierende Fluchtwelle schon Eingang in die Geschichtsbücher gefunden hat, zum Beispiel als jungsteinzeitliche Revolution, als Ausbreitung der Indoeuropäischen Sprache, als Alteuropäische Schrift mir Vorlauf in Kleinasien, als genetisch nachweisbare Wanderungsbewegung, als sesshafte Erstbesiedlung von Mesopotamien und Ägypten und als Zusammenbruch der Siedlungshorizonte in der Türkei – alles das 5500 vor Christus.

 

Das lässt gar keinen anderen Schluss zu, als dass es 5500 vor Christus einen Impuls für eine große Wanderungs- und Fluchtwelle gegeben hat, der genau im Schwarzen Meer lag.

 

Kremenetski, K.: „Holocene Vegetation and Climate in the Area North to the Black Sea“, in: Geological Society of America Abstracts with Programs p.208, 2003 [Link]

Kerey, E. et al: „Black Sea – Marmara Sea Quaternary connections: new data from the Bosphorus, Istanbul, Turkey“, in: Paleogeography 204, p. 277-295, 2004 [Link]

Schoppe, Ch. und S.: „Atlantis und die Sintflut – die erste Hochkultur versank 5510 vor Christus im Schwarzen Meer“, 2004 [Link]

Bojanowski, A.: „Der Wassersturz am Bosporus – Die Theorie erhärtet sich, dass die biblische Sintflut auf eine reale Überschwemmung vor 7500 Jahren zurückgeht“, in: Süddeutsche Zeitung Nr. 2, S. 9, 2006 [Link]

 

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